Von Hindelang über den Hirschbachtobel auf den Spießer
Von Hindelang über den Hirschbachtobel auf den Spießer

Von Hindelang über den Hirschbachtobel auf den Spießer


Hindelang-Spießer
Tour-Daten: Länge 10,2 km, Höhe 907 hm
Datum: 18.04.2022

Inhaltsverzeichnis

Von Hindelang in den Tobel

Hindelang, Südseitiger Blick auf den Hirschberg

Der Frühling hält so langsam Einzug, dieses Jahr ist im Vergleich zu letztem Jahr bereits deutlich mehr Schnee geschmolzen. Langsam kann es wieder mit den Sommertouren losgehen, wobei unser erstes Ziel an diesem langen Osterwochenende der Spießer ist. Südseitig sind die Bedingungen in den Allgäuer Vorbergen bereits sehr gut, was bei unseres heutigen Auswahl bestätigt wird.

Wir starten gegen halb neun am Busbahnhof direkt in Hindelang. Zunächst laufen wir ein Stück durch den Ort, der wirklich sehr hübsch hergerichtet ist – hier sieht man die positiven Seiten des Fremdenverkehrs – und sehr einladend wirkt. Wir laufen zum sog. Kavaliersberg und kommen an einer kleinen Kapelle vorbei. Hier haben wir nun den „Hindelanger Hausberg“, den Hirschberg, direkt vor uns. Dieser Gipfel wäre ebenfalls ein mögliches Ziel gewesen, da aber hier in der Ostseite z. T. noch Schnee liegt und uns zudem die Aussicht auf dem Spießer noch besser gefällt, lassen wir den Hirschberg heute im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen“.

Hirschbachtobel aufwärts

Hindelang-Hirschberg-Baum

Wir queren die Wiese und in der Sonne wird es uns sogleich schön warm – endlich Frühlings-Feeling! Ein kurzes Stück geht es auf einer geteerten Straße relativ steil bergauf, bis wir rechts abbiegen und am Café Polite vorbeikommen. Nun geht es in den Hirschbachtobel, wobei hier der Weg hinauf zum Spießer zunächst identisch mit dem zum Hirschberg ist.

Hindelang – Im Hirschbachtobel

Da es die letzten Wochen fast gar nicht geregnet hat, ist der Weg hinauf über den Tobel sehr gut zu gehen – nach stärkerem Regen kann es u. U. an manchen Stellen doch recht rutschig sein. Heute sind die Bedingungen jedoch perfekt für diesen Aufstiegsweg, sodass wir die anfangs angebrachten Seile fast nicht benötigen. Stufe für Stufe, in unzähligen kleinen Wasserfällen, fließt der Hirschbach hier talwärts, außer uns ist noch niemand unterwegs und wir genießen die tollen Ausblicke auf den Bach, der mal wie eine Wasserrutschbahn und immer eng umgeben von Felsen hinunterstürzt.

Felsen, Wasserfall und Knospen

Rückblick beim Aufstieg, im Blick der Breitenberg und die Rotspitze

Der Weg ist eher schmal, man sollte schon etwas die Augen offen halten, während man hoch läuft, wirklich gefährlich oder ausgesetzt ist es jedoch an keiner Stelle. Stets von den Felsen umgeben, steigen wir Kurve für Kurve und Stufe für Stufe bergan, wobei die Steilheit durch den interessanten Wegverlauf und abwechslungsreichen Tobel in den Hintergrund gerät.

Bald erreichen wir eine erste Anhöhe, wo die Felsen weniger werden und wir bereits schöne Blicke hinunter auf Hindelang und Oberjoch sowie zum Iseler und Kühgundgrat gegenüber von uns haben. Es wird immer wärmer, sodass wir bald unsere Jacken ausziehen können! Obwohl das Gras noch nicht saftig grün ist, zeigen sich einige Knospen an den Bäumen und auch ein paar Frühlingsblumen und Gräser sind am Wegesrand zu sehen.

Hirschbach nahe der sog. Krähenwand

Die Kurven werden nochmal immer enger, während wir unser den Felsen der sog. Krähenwand vorbeilaufen – dann lichtet sich der Wald kurz und wir stehen auf einem breiten Plateau. Hier zweigt ein breiter Forstweg geradeaus ab, der nach Oberjoch hinunter führt. Wir gehen jedoch gleich wieder in den Wald und folgen dem schmäleren Pfand in Richtung Hirschberg und Hirschalpe. Hier ist es nur ein relativ kurzes Stück, bis sich der Weg erneut teilt – links geht es hinüber zum Hirschberg, weiter durch Wald, und geradeaus eine freie Wiese hinauf in Richtung Hirschbergalpe und Spießer.

Über freie Wiese weiter zur Hirschbergalpe

Sind im Tal die Krokusse längst verblüht, haben sie hier oben erst ihre Köpfe aus der Erde gesteckt und blühen nun in voller Pracht. Der Weg über die Wiese ist wieder etwas steiler und wir legen weitere Höhenmeter zurück. Dann haben wir eine weitere Zwischenanhöhe erreicht, jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Hirschbergalpe. Die Aussicht wird immer besser und der Weg führt uns ein kurzes Stück relativ flach quer hinüber zur Alpe.

Die Hirschbergalpe, an sich bereits ein beliebtes Ziel für eine kurze Tour
Die Hirschbergalpe, an sich bereits ein beliebtes Ziel für eine kurze Tour

Hindelang-Tour: Mit Panorama auf den Spießer

Freies Panorama nahe der Hirschalpe

Noch ist nicht viel los, als wir an der Hirschbergalpe vorbeikommen, doch sie hat bereits geöffnet. Wir passieren sie und haben nun zwei Möglichkeiten, um auf den Spießer zu gelangen: entweder rechts abbiegen und von der Nordostseite hinauf oder links ein flaches Querstück unterhalb des Spießers weiter und auf der Südseite hinauf. Wir entscheiden uns für letztere Möglichkeit und kommen an einem kleinen Kreuz vorbei, das etwas oberhalb der Hirschbergalpe steht. Von hier hat man bereits einen sehr schönen Blick auf Hindelang, ins Hintersteiner Tal und die Gipfel südlich davon.

Gipfelkreuz Spießer mit Blick auf das Wertacher Hörnle

Fast komplett ist der Schnee auf dieser Route bereits geschmolzen – lediglich ein paar Meter Überbleibsel sind selbst noch auf der Südseite, über die wir problemlos hinüber laufen können. Der Gipfel ist nun nicht mehr weit, jedoch aber nicht in Sicht – tatsächlich sieht man das Gipfelkreuz erst fast ganz am Schluss, da kurz unterhalb nochmal Bäume sind. Nach nicht allzu langer Zeit zweigt unser Weg nach rechts ab und wir verlassen den breiten Weg und folgen dem schmäleren Pfad, der sich den Wiesenhang den Spießer hinauf schlängelt. Die laut Schild letzten 20 min. zum Gipfel sind nochmal steiler und z. T. etwas steiniger. Außerdem finden sich hier oben nochmal ein paar Tannen und Latschenkiefern, sodass wir das Gipfelkreuz erst ganz auf den letzten paar Metern sehen, bevor wir den Gipfel erreicht haben.

Gipfelgeile Rundumsicht

Blick nach Westen mit Hörner- und Nagelfluhkette, ganz links sogar der Ifen

Gegen halb elf kommen wir oben an. Natürlich sind inzwischen auch ein paar andere Wanderer hier oben. Von Massenrun, wie es hier manchmal der Fall ist, kann jedoch keine Rede sein. Die Aussicht ist rundum frei, im Westen ist die Nagelfluh- sowie Hörnerkette zu sehen, wo noch mehr Schneereste vorhanden sind. Der Hirschberg sieht von hier aus ganz klein und unscheinbar aus.

Zu unserer Freude sind von hier aus auch zwei Gipfel zu sehen, die wir im Winter bereits bei einer Schneeschuhtour besucht haben, nämlich das Wertacher Hörnle und der Schönkahler, der bereits zum Tannheimer Tal gehört.

Aussicht vom Spießer ins Tannheimer Tal
Aussicht vom Spießer ins Tannheimer Tal

Unter uns Hindelang, Bad Oberdorf und das Hintersteiner Tal sowie die umliegenden Gipfel
Unter uns Hindelang, Bad Oberdorf und das Hintersteiner Tal sowie die umliegenden Gipfel

Rückweg mit Einkehr in der Hirschalpe

Kleines Wegkreuz kurz über der Hirschalpe

Wir genießen die Aussicht und eine kleine Pause in der Sonne. Dann gehen wir weiter, wobei wir erneut mehrere Optionen haben. Beispielsweise könnte man den Abstieg mit einem Bogen über den Hirschberg verbinden und über die Klankhütte hinuntergehen. Da der Weg durch den Tobel jedoch total trocken war und landschaftlich im Vergleich zur Teerstraße über die Klankhütte deutlich reizvoller ist, wählen wir für den Abstieg diese Variante. Außerdem ist es sicher nochmal schön, durch den Hirschbachtobel hinab zu gehen!

Rückblick zum Spießer, von dem inzwischen einige Gleitschirmflieger gestartet sind

Beim Abstieg legen wir noch einen Stopp an der Hirschalpe für eine kleine Einkehr ein. Mittlerweile ist es hier voller geworden, es sind jedoch genügend Bierbänke und -tische vorhanden, sodass wir problemlos einen Platz finden. Der Spießer ist auch bei Gleitschirmfliegern ein sehr beliebter Starpunkt. Heute bei dem traumhaften Wetter sind nun einige zu sehen. Cool, wie sie mit ihren bunten Schirmen ihre Bögen über uns ziehen!

Wir beobachten die Gleitschirmflieger eine Weile und genießen nochmal die Aussicht, bevor wir wieder über die Wiese hinab und zum Hirschbachtobel laufen. Nun haben wir etwas mehr Gegenverkehr. Ab und zu müssen wir im Tobel kurz warten, da der Weg doch an manchen Stellen zu schmal ist. Jedoch hält sich die Anzahl an Wanderern, die uns nun entgegen kommen, noch in erträglichem Maße.

Letzter Abstieg

Beim Abstieg haben wir nun auch im Tobel mehr Sonne und können die Blicke auf den Hirschbach nun nochmal aus anderen Perspektiven bestaunen. Dann sind wir fast am Ende unserer Tour angelangt und verlassen den Tobel wieder. Die letzten Meter über die freien Wiesenhänge oberhalb von Hindelang gestalten sich noch einmal sehr schön, da der Löwenzahn hier bereits in voller Blüte steht und die Wiesen wunderschön gelb säumt. Wir erreichen schließlich wieder Hindelang, wobei wir kurz unterhalb der Kapelle noch auf ein paar lustige Lamas treffen, die gemütlich auf einer abgezäunten Wiese grasen. Dann sind wir auch schon wieder am Parkplatz am Busbahnhof angekommen.

Fazit

Die Tour auf den Spießer über den Hirschbachtobel ist eine tolle Frühjahrswanderung, da der Gipfel nicht allzu hoch ist und über die Südseite bereits früh schneefrei ist. Unserer Meinung nach ist der Aufstieg von Hindelang über den Tobel viel reizvoller, als vom Oberjochpass über den Forstweg. Jedoch wäre dies eine Möglichkeit, die die Tour um einige Höhenmeter kürzen würde. Der Hirschbachtobel ist sehr sehenswert, hat es jedoch stärker geregnet, kann der Weg rutschig sein. Man sollte womöglich lieber den Aufstieg über den Hirschberg vorziehen. Obwohl der Spießer ein eher unscheinbarer Vorgipfel der Allgäuer Alpen ist, hat man eine lohnenswerte Aussicht. Die Tour ab Hindelang ist mit den fast genau 900 hm auch bereits eine gar nicht so kleine Tour als Vorbereitung für weitere Sommertouren. Wenn hier die Möglichkeiten noch eingeschränkt sind. Insgesamt sollte man etwas Kondition für diese Tour mitbringen und im Hirschbachtobel etwas aufpassen. An sich ist die Strecke jedoch leicht zu gehen. Auch landschaftlich ist der Weg sehr schön kurzweilig und abwechslungsreich. Durch Tobel, Bach, Felsen, aber auch Wiesen und toller Panoramasicht.

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